Nikan

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Mein Co-Pilot auf vier Pfoten, Herzensdieb und Lebensretter

Seit November 2018 wirbelt Nikan unser Leben gehörig durcheinander. Er ist ein reinrassiger, stolzer Australian Shepherd Rüde und wird im August tatsächlich schon acht Jahre alt. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Nikan ist nicht meine erste Fellnase – früher begleitete uns eine wunderschöne Samojedenhündin. Aber Nikan hat eine ganz besondere Mission in meinem Leben.

Ein vierbeiniges Rezept auf Rezept

Ich wusste immer: Irgendwann zieht wieder ein Hund bei mir ein. Doch mit einem 8-Stunden-Arbeitstag war das für mich ein absolutes No-Go. Ende 2018 änderte sich mein Leben: Ich gab meinen Halbtagsjob auf, um meinen Schwiegervater zu pflegen. Zu dieser Zeit machten mir meine chronischen Erkrankungen – das Muskelrheuma und Hashimoto – bereits schwer zu schaffen. Der psychische Stress und die körperliche Belastung triggerten die Entzündungen und die Schmerzen wurden immer schlimmer.

Von meinen Ärzten hörte ich ständig denselben Satz: „Frau Guggenmoos, Sie müssen laufen, laufen, laufen!“

Ja, danke für den Tipp! Wie soll man herumlaufen, wenn man sich vor Schmerzen am liebsten den ganzen Tag im Bett vergraben möchte? Mein Mann konnte mich nach seinem eigenen, bewegungsreichen 9-Stunden-Arbeitstag verständlicherweise auch nicht mehr zu langen Abendspaziergängen motivieren.

Also reifte in mir ein Plan: Ein Hund muss her! Der zwingt mich zum Laufen – egal, ob ich will oder nicht. Das klingt im ersten Moment vielleicht pragmatisch, aber es war die Erfüllung meines sehnlichsten Wunsches.

Wie die Liebe den Rentenplan überholte

Mein Mann war anfangs mäßig begeistert. „Ein Hund kommt erst ins Haus, wenn ich in Rente bin“, war sein Machtwort. Nun ja… Ich habe trotzdem klammheimlich einen Termin bei einer Aussie-Züchterin ganz in der Nähe ausgemacht. Beim zweiten Besuch nahm ich meinen Mann einfach mit. Er wusste gar nicht genau, was ihn erwartet.

Und dann passierte das Magische: Er sah die fünf kleinen Welpen und war schockverliebt. Eigentlich hatten wir ein Auge auf einen Blue-Merle-Rüden geworfen, aber der wollte von uns überhaupt nichts wissen. Es stimmt eben doch: Der Hund sucht sich seine Menschen aus. Nikan, ein kleiner Black-Tri-Rüde, kam zielsicher immer wieder zu uns gelaufen. Er stahl unsere Herzen im Sturm.

Einmal Aussie, immer Aussie – und die Schattenseiten des „Modehundes“

Warum ein Australian Shepherd? Ich hatte die Rasse bei einer Bekannten erlebt und mich unsterblich in ihr Wesen verliebt. Leider ist der Aussie in den letzten Jahren zum absoluten „Modehund“ mutiert, besonders die Merle-Farbschläge.

Wir waren mit Nikan so glücklich, dass wir ihn – mit Zustimmung der Züchterin – als Deckrüden einsetzten. Er ist mittlerweile stolzer Papa von 15 Nachzüglern! Wir spielten sogar mit dem Gedanken, selbst eine kleine Zucht aufzubauen. Dieses Thema haben wir jedoch nach einigen negativen Erfahrungen ganz schnell wieder begraben. Gerade bei Modehunden wird in der Zucht leider viel Schindluder getrieben.

Zudem war es eine Herzensentscheidung: Der Gedanke an den Tag der Welpenabgabe hat mir schlaflose Nächte bereitet. Wenn man hört, wie viele Hunde im Tierheim landen oder ausgesetzt werden, bricht es mir das Herz. Wenn das einem meiner Welpen passiert wäre – damit hätte ich nicht leben können. Züchten bedeutet eine riesige Verantwortung, es ist komplex und nicht immer nur rosarot. Aber das ist eine andere Geschichte.

Clown, Sturkopf und Muse

Heute ist Nikan unser Räuber, Charmeur, unsere Schnuffelnase, Clown, die absolute Dramaqueen und manchmal ein echter Sturkopf. Er ist immer und überall mittendrin. Egal ob ich unterwegs bin, fotografiere, schreibe oder musiziere – wobei er sich beim Geige-Üben dann doch lieber dezent verzieht. Er ist meine ständige Inspiration.

Ich könnte hier jetzt eine seitenlange Rassebeschreibung anhängen, aber das Netz ist voll davon. Wichtiger ist mir eine Sache: Jeder Hund ist ein Individuum. Ein Aussie ist kein Anfängerhund, aber er ist ganz sicher auch kein „Monster“.

Von Vorurteilen und der Wahrheit über das „Tackern und Stalken“

Eine wichtige Bemerkung vorweg: Jeder Hund ist einzigartig, sein Charakter, seine Erziehung, sein Wesen und natürlich auch seine Rasse (wofür wurde er gezüchtet?) ist ausschlaggebend für sein Verhalten.

Niemals jedoch sollte man davon ausgehen, dass eine spezifische Verhaltensauffälligkeit von einem Aussie auf alle Aussies zu schließen ist.

Es gibt Menschen, die denken gerne in Schwarz-Weiß, soll heißen: z.B. „Ein Aussie, alle Aussies!“. Warum auch immer, ich verurteile diese Denkens Weise nicht, jedoch möchte ich es mit meiner Erfahrung und der Erfahrung anderer Australian Shepherd – Besitzer richtigstellen.

Es betrifft eine Aussage, ähnlich wie diese, welche ich einmal gelesen habe : „Alle Aussies sind schwerführig, stalken und diskutieren den ganzen Tag und tackern (zwicken) wegen ihres Hütetriebs alles und jeden, der sich bewegt – besonders Kinder.“

Das ist schlichtweg falsch!

Nein, so einfach ist es nicht. Ob ein Aussie stalkt oder tackert hängt nicht von der Eigenschaft, bzw. Wesensart der Rasse ab, sondern dies kann viele Ursachen haben. Warum auch immer dieser Aussie so reagiert (ist es die Eifersucht auf neue Hunde im Rudel, falsche Einschätzung? Man weiß es nicht und es ist in diesem Fall irrelevant, denn dies würde wiederum zu Verteilung führen, das mir nicht zusteht.

Doch möchte ich aus meiner Erfahrung folgendes berichten:

Ich habe vier Jahre lang meine drei Enkelkinder betreut, mindestens dreimal die Woche. Nikan hat noch nie ein Kind gezwickt oder getackert. Wichtig ist einfach: Man lässt Kind und Hund nie unbeaufsichtigt.

Ein Aussie spürt sofort, wenn er plötzlich nicht mehr die ungeteilte Nummer Eins im Rudel ist, weil da ein neues „Windelpaket“ die Oma beansprucht (in einem anderen Fall könnte dies vielleicht auch ein neuer Hund sein). Natürlich kam da anfangs ein bisschen Eifersucht auf. Aber statt zu zwicken, hat sich Nikan einfach sein Lieblingsspielzeug geschnappt, um sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Ihn in solchen Momenten stundenlang links liegenzulassen, wäre fatal. Man muss als Hundehalter und Oma einfach wissen, wie man agiert. Mein Hund durfte nie das Gefühl bekommen, dass ich ihn weniger lieb habe. Schließlich war er es gewohnt – vom ersten Tag an – dass er unsere Nr.1 war. Und diese ungeteilte Liebe plötzlich mit einem anderen Menschen zu teilen, das kannte er nicht. Es ist anstrengend, gerade in der Anfangszeit, aber es ist enorm wichtig seinem Hund das Gefühl zu geben, dass er in diese Konstellation integriert wird und nicht auf das Abstellgleis gestellt wird! Wenn man das hinbekommt, dann hat man kein Problem und der Aussie hat keinen Grund zu zwicken, oder zu tackern.

Das Gleiche trifft auf das Thema „Hüten“ zu. Nikan hat von Anfang an gemerkt, dass ich als Rudelchef die Verantwortung über das Kind habe, somit hatte er keinen Grund dem Kind hinterher laufen zu wollen und es zu zwicken, oder Ähnliches.

Und zum Thema „Ein Aussie stalkt den ganzen Tag“: Auch das kann ich, wie auch all die Aussiebesitzer, die ich kenne, nicht bestätigen! Im Gegenteil. Nikan verzieht sich oftmals am Tag in unser Schlafzimmer, dort steht sein „Sofa“. Er liebt es einfach, seine Ruhe zu haben und für sich zu sein. Ja, und dabei ist er keine Ausnahme.


Wie ihr in meiner Beschreibung über meine Leidenschaft „Schreiben/Geschichtenerzählen“ herauslesen könnt, sind all meine Geschichten mit Themen behaftet, die mich persönlich berühren und beschäftigen. Es sind Erlebnisse wie diese, die mich zu neuen Geschichten inspirieren…eine emotionale Geschichte über einen Aussie…vielleicht bald… eine Idee habe ich schon im Kopf. 😉

Mein Fazit:
Nikan ist mein perfekter Co-Trainer, der mich jeden Tag an die frische Luft bringt, meine Gesundheit unterstützt und mir zeigt, wie schön die Welt ist. Er ist der beste Freund, den ich mir je hätte wünschen können.









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