Der Blick von der Parkbank

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Warum das Äußere oft nur ein schöner Schein ist.

Manchmal braucht es gar nicht viel, um die Welt zu verstehen. Nur eine Bank am Seeufer, ein wenig Zeit und den Mut, einfach nur hinzusehen.

An den Tagen, an denen es nicht ganz so heiß ist wie heute – wo die 34 Grad uns eher in die kühlen Wohnzimmer zwingen –, zieht es mich und meinen australischen Schäferhund an den Bodensee. Nach einer gemütlichen Runde auf der Insel in Lindau oder Bregenz suche ich mir gerne ein schattiges Plätzchen. Ich bin ein eher introvertierter Mensch. Große Menschenmengen, in denen es laut und trubelig zugeht, sind nicht unbedingt mein Pflaster. Aber abseits zu sitzen und das bunte Treiben zu beobachten? Das liebe ich.

Es ist eine ganz eigene Magie, die Vielseitigkeit der Menschen an sich vorbeiziehen zu lassen. Jeder Schritt, jede Geste, jede Kleidung erzählt eine andere Geschichte. Keiner gleicht dem anderen. Und eigentlich ist das ein riesiges Privileg unserer heutigen Zeit. Vor einhundertfünfzig Jahren war noch streng geregelt, wer was tragen durfte. Die Kleidung verriet sofort den Stand, die Klasse, die Grenzen. Heute haben wir die Freiheit, genau das auszudrücken, was wir im Inneren fühlen.

Schubladendenken

Und doch… lauert da immer noch dieses eine Monster im Hinterkopf: das Schubladendenken. Sobald uns jemand begegnet, der so „ganz anders“ ist, der aus der Reihe tanzt und unser persönliches „Normal-Empfinden“ sprengt, schnappt die Falle zu.

Ich nehme mich da selbst überhaupt nicht aus. Auch mir schießt manchmal in der ersten Sekunde dieser Gedanke durch den Kopf: „Mensch, wie läuft der oder die denn herum?“ Aber das Schöne ist ja, dass wir lernen können. Heute halte ich in solchen Momenten kurz inne, lächle über mich selbst und korrigiere meinen inneren Kritiker: „Es ist nicht dein Geschmack, Angela. Und das ist völlig okay. Es ist seine Freiheit.“

Wir sollten heute eigentlich reif genug sein, um über den Tellerrand der Äußerlichkeiten hinauszublicken. Denn das Äußere ist am Ende des Tages eben doch nur der Schein. Eine hübsche, adrette Verpackung schützt uns nicht davor, an einen Menschen zu geraten, der im Inneren rücksichtslos, arrogant oder egoistisch ist. Und umgekehrt verbirgt sich hinter einem vermeintlich „schrägen“ Äußeren oft die herzlichste Seele, die man sich nur wünschen kann. Wir können den Menschen eben nicht ins Herz schauen. Wir müssen warten, bis sie es uns durch ihre Taten öffnen.

Genau dieses Spiel mit dem äußeren Schein, den Vorurteilen und der wunderbaren Andersartigkeit hat mich zu den nächsten beiden Geschichten in meinem Märchenbuch inspiriert. In „Ailina, die weiße Frau“ und „Der Maler und der Wolf“ erzähle ich von Charakteren, die von ihrer Umwelt zuerst mit tiefem Misstrauen und großer Abneigung beäugelt werden. Erst als sie handeln, als sie zeigen, wer sie wirklich sind, beginnt die Fassade der Vorurteile zu bröckeln.

Wenn ihr diese Figuren auf ihrem Weg begleiten möchtet, lade ich euch herzlich ein, in mein Buch „Das Flüstern der Berge“ hineinzuschnuppern.

Lassen wir die Schubladen doch öfter mal geschlossen. Die Welt ist viel zu bunt für einfarbiges Denken.

In diesem Sinne:

Bleibt offen für die Wunder hinter der Fassade.

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