„Dass alles seine Zeit hat, heißt auch, dass alles seine Zeit braucht.“
Ein Zitat von Ernst Festl, das mich, um ganz ehrlich zu sein, manchmal eher auf die Palme bringt. Geduld gehört nämlich nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen. Wenn ich eine Idee oder eine neue Leidenschaft im Kopf habe, dann will ich sie am liebsten sofort in die Realität umsetzen. Sofort. Ohne Umwege.
Aber treten wir mal einen Schritt zurück. Mein allererstes Buch wird gerade gedruckt. Wenn ich daran denke, es bald endlich in den Händen zu halten, spüre ich diesen tiefen Stolz. Der Traum von der Erzählerin, der Gestaltenwandlerin und der Autorin – er ist jetzt real geworden. Ich kann Menschen mit meinen Fotografien und meinen Geschichten zum Träumen verhelfen.
Eigentlich perfekt, oder? Doch da wartet ja noch meine dritte große Leidenschaft: die Musik! Und am liebsten würde ich für meinen kommenden, epischen Fantasy-Roman zeitgleich die passenden Musikstücke mit Geige und Klavier einspielen. Alles aus einer Hand, pünktlich zum Release gegen Ende des Jahres. Aber genau da liegt der Haken: Mir fehlt aktuell einfach die Zeit.
Warum ich mir diesen ganzen Stress überhaupt antue? Weil ich mich entschieden habe, meine Bücher als Selfpublisher im eigenen Verlag „HeimatAkkord“ herauszubringen. Und jeder, der das schon mal gemacht hat, weiß: Das ist am Anfang ein verdammt riesiger Berg an Arbeit, bei dem man oft gar nicht weiß, was als Nächstes auf einen zukommt.
Klingt ganz schön verrückt, wo man es doch über einen klassischen Verlagsvertrag oder Print-on-Demand viel einfacher haben könnte, oder? Stimmt. Ich hätte viel weniger Arbeit. Aber als kreativer Mensch, der ständig neue Ideen ausbrütet – manche nennen das auch sprunghaft –, gibt es für mich nichts Schöneres, als ein Projekt von A bis Z selbst zu erschaffen. Ganz alleine. Ohne, dass mir jemand reinredet.
In meiner Vergangenheit musste ich viel zu oft faule Kompromisse eingehen. Kompromisse, die meine besten Ideen am Ende zerschmettert haben. Ich war jahrelang zweite Chorleiterin und habe das ständig erlebt. Ich habe damals sogar ein eigenes Musical geschrieben – und was ist passiert? Es wurde im Kollektiv so lange totdiskutiert, bis nichts mehr davon übrig war.
An diesem Punkt habe ich mir geschworen: Nie wieder. Ich lasse mich von niemandem mehr ausbremsen. Zu meinen Geschichten gehören meine Fotografien, meine Grafiken – und eben auch meine Musik. Das ist ein verdammt langer, intensiver Weg von der ersten Idee im Kopf bis zum fertigen Paket. Und wenn das Buch fertig ist, geht die Arbeit mit der Bestellabwicklung und dem Versand erst richtig los. Es ist megaviel Arbeit. Aber wisst ihr was? Das ist es mir wert.
Und damit sind wir beim Knackpunkt, meiner Rolle als Musikerin.
Aktuell schreibe ich an meinem neuen Roman, der an einer Musik- und Künstlerakademie in Füssen spielt. Ihr merkt schon – da steckt wieder jede Menge von mir drin. Als Pianistin und frisch gebackene Violinistin ist das quasi ein Muss! In einigen Szenen geht es um eine Geigerin und ihre ganz besonderen Melodien. Und meine Vision war es, genau diese Melodien selbst auf der Geige zu üben, einzuspielen und mit meiner eigenen Hintergrundmusik auf dem Klavier zu untermalen.
Technisch bekomme ich das hin. Gar kein Thema. Aber es braucht Zeit. Und weil sich in meinem Kopf gerade alles um den Ablauf meiner ersten Buchveröffentlichung dreht, kann ich im Moment einfach nicht tief genug abschalten, um mich vollkommen auf die Musik zu konzentrieren.
Das bedeutet im Klartext: Bezüglich der neuen Musikstücke muss ich euch noch um etwas Geduld bitten. Das fällt mir selbst unheimlich schwer, glaubt mir. Aber halbe Sachen gibt es bei mir nicht. Ebendarum findet ihr vorerst „nur“ meine älteren Piano-Covers auf der Homepage. Der innere Selbstkritiker in mir ist zwar noch nicht ganz zufrieden damit, aber unter der Rubrik „Klang“ bekommt ihr zumindest schon mal einen guten Vorgeschmack.
Wann die neuen, instrumentalen Stücke? Das lasse ich bewusst offen. Mit starren Fristen mache ich mir nur selbst unnötigen Druck, das habe ich in der Vergangenheit zu oft schmerzhaft erlebt.
Denn am Ende des Tages gilt eben doch: Alles hat seine Zeit.
Bleibt geduldig mit euch selbst und vergesst nicht: Die besten Dinge im Leben brauchen eben ihre Zeit.


