Mein neuer Weg – Geschichtenerzählerin

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Wie aus einer Träumerin eine Geschichtenerzählerin wurde

Wie ich zum Schreiben gekommen bin? Wenn ich ganz ehrlich bin: Das war so überhaupt nicht geplant. Geträumt und gehofft habe ich zwar schon mein ganzes Leben davon, aber dass sich dieser Wunsch irgendwann wirklich erfüllt – nein, das hätte ich niemals gedacht.

Am Ende war es eine ganz besondere, schwierige Situation zwischen einer Freundin und mir, die den Stein ins Rollen brachte.

Das Chaos im Kopf und die Suche nach Worten

Ich war auf der Suche nach Worten und habe sie – wie so oft – einfach nicht gefunden. Es ist typisch für mich: Wenn ich etwas Wichtiges erklären möchte, entsteht in meinem Kopf oft ein emotionales Chaos. Gedanken verfangen sich, Gefühle überschlagen sich. Wie sagt man einer guten Freundin, dass man zwar denselben Traum teilt, aber völlig andere Vorstellungen von der Umsetzung hat? Wie erklärt man, dass man sich deshalb aus einem gemeinsamen Projekt verabschieden möchte?

Ich schwieg. Bis mir plötzlich eine Geschichte einfiel, um meine Gefühle auszudrücken. Aber spulen wir noch mal ein Stück zurück:

Seit meiner Kindheit bin ich eine unverbesserliche Träumerin. Ich weiß noch genau, wie ich in der Schule am Fenster saß und meine Gedanken lieber auf Reisen schickte, anstatt dem Unterricht zu folgen. Geschichten zu lesen und mir eigene Welten auszudenken, war schon immer mein Ding.

Doch ich habe damals gar nicht erst versucht, diese Welten aufs Papier zu bringen. Mein chaotisches Denken hat mich blockiert. Ich hatte so unendlich viele Ideen auf einmal, dass ich nie wusste, wo ich anfangen soll. Meine Bilder ließen sich einfach nicht in einen flüssigen Erzählstil verwandeln. Also blieben all meine Geschichten über Jahrzehnte hinweg mein süßes, geheimes Kämmerchen im Kopf.

Das Märchenprojekt und eine rätselhafte Leere

Vor vier Jahren wendete sich das Blatt scheinbar. Im Gespräch mit einer Freundin entdeckten wir unsere gemeinsame Liebe zu Märchen. Wir starteten ein Projekt: Sie trat als Erzählerin auf, ich unterstützte sie im Hintergrund mit meiner Musik, mit Fotoshootings und – na klar – mit tonnenweise Ideen.

Es war eine spannende Zeit, aber für mich auch ein holpriger Weg, der im Herbst letzten Jahres endete. Irgendetwas stimmte nicht. Ich fühlte mich zunehmend fehl am Platz. Da war eine tiefe Leere in mir, die ich lange Zeit nicht benennen konnte. Ich dachte, es läge an den Terminen oder den Abläufen der Märchenabende, die mich als eher ruhige Person stressten. Aber der wahre Grund lag viel tiefer.

Der Befreiungsschlag: Wenn die Bilder lebendig werden

Als der Tag der Trennung kam und ich nach einer Möglichkeit suchte, meine Emotionen in eine Geschichte zu verpacken, geschah das Wunder. Ich fand ein Computerprogramm, das mir half, meine sprudelnden Gedanken zu sortieren und in einen flüssigen, bildhaften Schreibstil zu verwandeln. Ich schrieb mein allererstes echtes Märchen darüber, um meiner Freundin meine Gefühle zu erklären.

Und plötzlich platzte der Knoten! Als diese Geschichte fertig war, strömten sofort die nächsten Märchen und Fantasy-Ideen in meinen Kopf. Es sprudelte unaufhörlich. Ich schrieb und schrieb – ein unbeschreibliches Glücksgefühl! Mein lebenslanger Traum wurde endlich wahr. Ich hatte ein Werkzeug gefunden, das meine inneren Bilder zum Leben erweckte, ohne dass mein chaotisches Denken mich ausbremste.

In diesem Moment verstand ich auch die Leere von damals: Es war der unbewusste, jahrelange Drang meiner Seele, diese Geschichten endlich selbst aufzuschreiben und sie eines Tages bei meinen eigenen Abenden vorzulesen!

Manchmal ist es verrückt, wie viele Jahrzehnte und Lebensstationen wir durchlaufen müssen, bis wir endlich aufwachen und spüren, was wirklich in uns schlummert. Kurz war ich traurig über die „verplemperte“ Zeit. Doch die Traurigkeit verflog schnell. Jetzt lebe ich meine Leidenschaft einfach umso intensiver aus und bin unendlich dankbar für jede neue Zeile.

Meine Musen: Der Holunder, die Menschen und das Allgäu

Wer oder was mich heute inspiriert? Das ganze pralle Leben um mich herum! Wenn ich mich um meine drei Enkelkinder kümmere, in meinen Blumen und Kräutern grabe oder mit meinem Hund Nikan die Natur erkunde und das Licht mit der Kamera einfange.

Mich inspirieren aber auch Begegnungen mit Menschen, die vielleicht ein bisschen anders sind, die am Rand der Gesellschaft stehen oder Ungerechtigkeiten erfahren. Solche Erlebnisse bringen mich zum Nachdenken und wecken in mir den Wunsch, diese Themen mit einer tiefen Botschaft in ein Märchen zu verpacken.

Und natürlich küsst mich die Muse draußen in der Natur: das Flüstern des Windes, das Spiel von Licht und Schatten, die Düfte der Pflanzen (ganz besonders der Holunder!) und der geheimnisvolle Nebel, der mich jedes Mal verzaubert.

Oft sagen Feriengäste zu mir: „Wissen Sie eigentlich, welches Privileg Sie haben, in solch einer märchenhaft schönen Gegend zu wohnen?“

Ja, ich weiß es. Und ich schätze es von ganzem Herzen. Genau deshalb spielen meine Geschichten nicht in irgendeinem fiktiven Land im Nirgendwo. Sie alle sind fest verwurzelt an realen, zauberhaften Orten und Städten im Allgäu und in Bayern, die uns das Träumen so wunderbar leicht machen.

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